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    's Heftpflaster 02/21

    Top Thema, Gesundheit

    Kraft aus Beziehungen schöpfen

    Dr. Theresa Pauly untersucht aktuell den Einfluss von Partnerschaft auf das Diabetesmanagement. Im Gespräch mit Marco Grob, leitender Apotheker Zum Zitronenbaum, betont sie die Relevanz des sozialen Umfelds auf die Gesundheit.

    Marco Grob: Ich finde spannend, dass die Studie «Diabetes & Partnerschaft» nicht im klinischen, sondern im alltäglichen Setting stattfindet. Als Apotheke ist es unsere Aufgabe, mit Menschen mit chronischer Erkrankung nochmals das Gespräch zu suchen und nachzufragen, wie es ihnen damit geht. Wertvoll ist, wenn der Partner mit dabei ist. Diese Zweierkonstellation untersuchen Sie in der aktuellen Studie. Können Sie mehr darüber erzählen?

    Dr. Theresa Pauly: Sehr gerne. Eine chronische Erkrankung erfordert in jedem Fall eine tagtägliche Etablierung und Überwachung von gesunden Verhaltensweisen. Diese muss man oft ein Leben lang beibehalten. Im Falle von Diabetes kann aber bei gutem Management eine hohe Lebensqualität erreichen werden. Doch Statistiken zufolge schaffen es circa 50 Prozent nicht, eine optimale Blutzuckerkontrolle zu erreichen, weil der Therapieplan oft nicht genau eingehalten wird, was wiederum die optimale Medikamentenwirkung einschränkt. Auch werden gesundheitsrelevante Verhaltensweisen wie körperliche Aktivität oder eine diabetesgerechte Ernährung manchmal vernachlässigt. Verständlich, denn sich so viele neue Verhaltensweisen anzugewöhnen, ist schwierig. Gerade die Ernährung ist stark vom sozialen Umfeld abhängig. Wenn man bei der Krankheitsbewältigung aber auf die Hilfe des Umfelds zählen kann, dann kann man die Krankheit am wirksamsten bewältigen. Das zeigt die Forschung. Deshalb beobachten wir in der aktuellen Studie, wie der Alltag und die Interaktion mit dem Partner im Hinblick auf das Diabetesmanagement funktioniert. Besonders ist, dass der Partner miteinbezogen wird, was im medizinischen Bereich noch selten ist.

    Marco Grob: Deswegen ist die Studie in meinen Augen auch so interessant. Bisher schaut man viel auf die Krankheit selbst und auf die Therapie rund um die Medikamenteneinstellung. Selten gehen Studien aber auf das grundlegende Verhalten ein. Dieses hat aber einen grossen Einfluss auf die Krankheitsbewältigung. In den Apotheken sehen wir, wer sie im Griff hat und sie versteht. Hier können Partner meines Erachtens sehr gut unterstützen. Zurück zur Studie: Was erwartet Interessierte?

    Dr. Theresa Pauly: Teilnehmende erhalten von uns ein Smartphone, um mehrmals täglich Fragen zu beantworten, einen Bewegungssensor, der objektiv die körperliche Aktivität aufzeichnet, und eine Smartwatch, die kurze Tonaufnahmen im Alltag macht. Vor und nach dieser Beobachtungsphase kommen die Paare zu uns an die Universität Zürich für ein Gespräch. Jedes Paar bekommt 100 Franken als Dankeschön. Die Daten werden anonymisiert behandelt und die Audioaufnahmen können sie anhören und alles löschen, was sie nicht teilen möchten, bevor sie uns die Daten weiterreichen. Interessierte – wir suchen Paare, von denen eine Person an Diabetes mellitus Typ II erkrankt ist und die zusammenwohnen – können sich an uns wenden und werden von uns auf eine Warteliste gesetzt, denn zurzeit ist die Studie aufgrund der Coronapandemie pausiert.

    Marco Grob: Wie lange dauert diese Beobachtungsphase denn?

    Dr. Theresa Pauly: Sieben Tage. Die Studie ist recht intensiv, da viele Fragebögen ausgefüllt werden müssen. Aber mit Hilfe dieser Befragungen können wir das Alltagsgeschehen der Paare am besten abbilden. Die bisher teilnehmenden Paare haben uns rückgemeldet, dass es gut machbar ist und eine Woche schnell vorbeigeht.

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    Marco Grob: Sind denn auch allgemeinere Aussagen über den Einfluss der Partnerschaft auf die Gesundheit möglich?

    Dr. Theresa Pauly: Auf jeden Fall. Eine Studie zeigte beispielsweise, dass die Einbettung in unterstützende Beziehungen ebenso wichtig ist, wenn nicht sogar wichtiger als gut bekannte Risikofaktoren wie Rauchen oder Alkoholkonsum für die Gesundheit. Unterstützung kennt verschiedene Formen. Beispielsweise unterscheiden wir zwischen emotionaler und praktischer Unterstützung. Wir wissen auch, dass liebevolle, akzeptanzvolle und respektvolle Unterstützung das Wohlbefinden und die Beziehungszufriedenheit steigert. Es ist aber nicht jede Art der Unterstützung willkommen. Vor allem Kontrolle kann dazu führen, dass sich eine Person überwacht oder sich in ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt fühlt. Beispielsweise, wenn man etwas übernimmt, das die Person gerne selbst gemacht hätte. Wird eine Krankheit als unsere – statt nur als deine – verstanden, bemüht man sich mehr, sie gemeinsam zu bewältigen. Studien mit Diabetikern haben gezeigt, dass solche gemeinsamen Bemühungen mit gesteigerter Aktivität, besserer Ernährung und höherem Wohlbefinden zusammenhängen.

    Marco Grob: Ich denke, das heutige Therapiemanagement ist nach wie vor sehr stark auf die Krankheit und auf die eine Person bezogen. Deshalb sind solche Studien, welche die Wichtigkeit des sozialen Umfelds in der Krankheitsbewältigung zeigen, so wichtig. Denn oft kann man eine Krankheit nicht alleine bewältigen, auch wenn man das sich vielleicht einredet. Ich hoffe, dass das dann auch irgendwann einen Einfluss auf die Therapieformen selbst hat.

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    Dr. Theresa Pauly erforscht an der Universität Zürich als Teil des Lehrstuhls für Angewandte Sozial- und Gesundheitspsychologie die sozialen Prozesse im Alltag und deren Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden über die Lebensspanne. In ihrer aktuellen Studie erforscht sie den Einfluss der Partnerschaft auf das Diabetesmanagement.

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