Augen

    Sehschwäche entdecken und Spätfolgen verhindern

    Damit sich das Kinderauge normal entwickelt, benötigt das Gehirn bestimmte Reize. Wenn mit den Augen aber etwas nicht stimmt, können diese Reize fehlen. Wird eine Sehschwäche frühzeitig entdeckt und behandelt, kann die Entwicklung des Kindes normal verlaufen.

    Vereinbaren Sie einen Termin mit dem Augenarzt, wenn Sie folgende Merkmale bei Ihrem Baby oder Kleinkind beobachten, denn sie könnten auf eine Sehschwäche hindeuten:

    • deutlich sichtbares und dauerhaftes Schielen
    • zwanghaftes Schiefhalten des Kopfes
    • auffallend grosse Augen
    • Lichtscheue oder keine Reaktion auf Lichtreize
    • ständiges Reiben der Augen oder Grimassen-Schneiden
    • verdrehen der Augen ohne etwas anzuschauen
    • vorbei greifen an Gegenständen

    Sind die Kinder schon etwas älter, kann es bei einer Sehschwäche auch zu folgenden Auffälligkeiten kommen:

    • häufiges Stolpern oder Stossen an Möbeln
    • zunehmende Sehschwierigkeit bei Dämmerung und Dunkelheit
    • plötzliche Verschlechterung der Schulnoten
    • Unlust am Lesen
    • sich absondern von anderen Kindern
    • immer wieder auftretende Kopfschmerzen

     

    shutterstock_588535082Weitsichtigkeit (Hyperopie)

    Weiter entfernte Gegenstände kann das Kind gut erkennen, im Nahbereich muss es sich jedoch anstrengen, um gut zu sehen. Das Gehirn ist dann schnell überfordert, es kommt zu Kopfschmerzen, roten Augen, Konzentrationsschwäche, Unruhe und schnellem Ermüden beim Lesen und Schreiben.

    Wichtiger Hinweis: Babys und Kleinkinder sind in der Regel alle weitsichtig, bei den meisten gleicht sich das im Laufe der ersten Jahre aus.

    Kurzsichtigkeit (Myopie)

    Aus der Ferne einfallende Lichtstrahlen werden schon vor der Netzhaut gebündelt, weil das Auge zu lang oder die Brechkraft der Linse zu hoch ist. Von Kurzsichtigkeit betroffenen Kinder sind deshalb im Nahbereich aktiv, haben aber Probleme, das Fernsehbild, den Ball beim Ballspielen oder die Wandtafel in der Schule zu erkennen. Durch Zusammenkneifen der Augen oder Blinzeln versucht das Kind, die Sehschwäche auszugleichen und so auch weiter entfernte Gegenstände zu sehen.

    Stabsichtigkeit (Astigismus)

    Diese Sehschwäche wird auch als Hornhautverkrümmung bezeichnet. Die unterschiedlich geformten Hornhautradien führen zu einem verzerrten und unscharfem Seheindruck. Je nach Ausprägung der Hornhautverkrümmung sieht das Kind Dinge mehr oder weniger stark verzeichnet.

    Schielen (Strabismus)

    Der Volksmund spricht von einem Silberblick, wenn ein Mensch beide Augen nicht gemeinsam auf einen Punkt richten kann. Meist ist es nur ein Auge, das schielt. Es weicht mit seinem Blick nach innen, aussen, oben oder unten ab. Dabei  bildet es einen fixierten Punkt nicht an der Stelle des schärfsten Sehens ab, sondern an einer anderen Stelle der Netzhaut. Die Folge ist: Im Gehirn entstehen zwei Bilder – ein scharfes und ein unscharfes. Zur „Arbeitserleichterung“ lernt das Gehirn, das nicht passende Bild zu unterdrücken. Das Kind bevorzugt zum Sehen nur das gut funktionierende Auge. Das vernachlässigte kann seine Sehschärfe nicht voll entwickeln oder wird „faul“ und verliert so mehr und mehr an Sehkraft. Wenn starkes Schielen nicht behandelt wird, droht die Sehschwäche eines an sich gesunden Auges. Es kommt zur sogenannten Amblyopie, einer Schwachsichtigkeit infolge einer unzureichenden Entwicklung des Sehsystems, die das ganze Leben bestehen bleibt und auch mit optimalen Brillen oder Kontaktlinsen nicht korrigiert werden kann.

    Dies zieht weitere Probleme mit sich: Ein Kind, das nur ein Auge benutzt, kann kein räumliches Sehen entwickeln und bleibt auch in seiner motorischen Entwicklung zurück. Im späteren Leben kann dies zu erheblichen Problemen zum Beispiel beim Autofahren führen.

    Vor dem zehnten bis zwölften Monat erkannt, ist Amblyopie rasch und einfach zu korrigieren. Nach dem ersten Lebensjahr dauert es etwas länger.

    Wenn ein Kind auf die Welt kommt, kann es zwar schon sehen, die Sehschärfe muss sich aber erst noch entwickeln.

     

    Wie entwickeln sich eigentlich die Augen von Kindern?

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    Die Entwicklung des Sehens vom Neugeborenen bis zum Kleinkind

    Im ersten Monat sieht das Baby unscharf, kann aber schon Helligkeit erkennen. Der Sehhorizont reicht rund 30cm weit.
    Im zweiten Monat nimmt das Baby erstmals Umrisse eines Gesichts oder Muster wahr und ist in der Lage, Farben zu unterscheiden.
    Im dritten und vierten Monat kann es den Eltern lächelnd ins Gesicht schauen, Farbunterschiede werden wahrgenommen und bis in 25cm Entfernung sieht das Kind scharf.
    Ab dem fünften Monat kann es die Eltern dann ganz genau erkennen. Bester Beweis dafür: Heimliches Davonstehlen der Eltern aus dem Zimmer provoziert lautstarken Protest.
    Im sechsten Monat beginnt das Greifen nach Gegenständen, auch weiter entfernte Dinge werden  scharf wahrgenommen.

    Im siebten Monat klappt es nicht nur mit dem Greifen, sondern die Kleinen können Gegenstände jetzt drehen und wenden.
    Ab dem achten Monat kann das Kind bekannte von fremden Gesichtern unterscheiden.
    Ab dem neunten Monat werden Daumen und Zeigfinger aktiv, selbst kleinste Gegenstände können präzise gegriffen werden.
    Ab dem elften Monat ist das Kleinkind in der Lage, auf die Frage „Wo ist Papa?“, den Kopf zu wenden und ihn mit den Augen zu suchen.
    Ab dem zwölften Monat gibt das Kind den Eltern Gegenstände gezielt in die Hand und es kann auch Dinge, die sich schnell bewegen, mit den Augen verfolgen.

    Mit etwa vier Jahren ist die Sehschärfe so gut ausgeprägt, wie bei einem Erwachsenen.
    Im Alter von sechs bis sieben Jahren ist die Sehentwicklung nahezu völlig abgeschlossen.
    Ab dem achten oder neunten Lebensjahr ist auch die Entwicklung des genannten Gesichtsfeldes so weit entwickelt, dass die Kinder komplette Szenarien und Begebenheiten erkennen können. Damit sind sie verkehrstauglich.

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